Aktuelle Marktlage
Der Leiterplattenmarkt steht derzeit unter einem Preis- und Verfügbarkeitsdruck, wie wir ihn seit Jahren nicht gesehen haben. Wir informieren Sie offen über die Ursachen und darüber, wie wir Ihre Versorgung weiter aufrechterhalten.
Updates im Überblick
Hier finden Sie alle bisherigen Markt-Updates in chronologischer Reihenfolge.
Material wird zugeteilt, nicht knapp
Die Laminathersteller haben im August erneut erhöht, Kingboard um 10 % bei FR4 und bis 20 % bei dünnen Prepregs, Panasonic um 20 bis 25 % zum 1. August. Aus unserem Lieferantennetz in China wird für Oktober bereits die nächste Runde erwartet. Kupfer notiert rund 47 % über Vorjahr. Der Preisdruck beim Material ist damit unverändert.
Bei der Verfügbarkeit ist das Bild differenzierter, als die Branchenmeldungen vermuten lassen. Standard-FR4 ist am Markt vorhanden, einen akuten Mangel gibt es nicht. Die Laminathersteller teilen das Material aber nach Priorität zu, und Priorität bekommt, wer zahlt: Leiterplattenwerke mit Vorkasse werden zuerst beliefert. Wir haben in der vergangenen Woche 1.300 m² einlagiges Material in 1,6 mm innerhalb einer Woche erhalten. Das ist möglich, weil wir gegenüber unseren Werken vorfinanzieren und damit in der Zuteilung vorn stehen. Ein Teil der in der Branche gemeldeten Auftragsflut sind zudem Vorzieheffekte, keine Endnachfrage.
Eng bleibt es an drei Stellen: bei ein- und zweiseitigen Aufbauten ab 2,0 mm Enddicke, wo einzelne Werke inzwischen Mehrlagentarife ansetzen, bei dicken Kernen für Multilayer und bei dünnen Prepregs wie 1080 und 106, die die Hersteller nur noch über Quoten liefern. Dort konkurriert das Standardgeschäft direkt mit den KI-Anwendungen.
Die Erhöhungen der Hersteller geben wir weiterhin nur teilweise weiter.
Warum ENIG nicht billiger wird
Viele Kunden fragen, warum der Goldpreisrückgang von über 20 % seit Januar nicht bei ENIG (chemisch Nickel-Gold) ankommt. Gold ist beim ENIG tatsächlich der größte Rohstoffkostenblock, die Werke kaufen das Goldsalz täglich zum Tageskurs und zahlen heute weniger als im Januar. Der ENIG-Aufpreis wird aber als Festaufschlag je Quadratmeter kalkuliert, und der folgt dem Rohstoff nach oben schnell und nach unten nur, wenn der Markt es erzwingt. Man kennt das von den Tankstellen: Steigt das Rohöl, ist der Aufschlag am nächsten Morgen an der Zapfsäule, fällt es, dauert es Wochen. In einem Markt, in dem Material zugeteilt wird, gibt es diesen Druck nach unten derzeit nicht. Aus China hören wir von niemandem, dass über sinkende ENIG-Preise gesprochen wird. Wir rechnen deshalb nicht mit einer Entlastung, solange die Zuteilung beim Basismaterial anhält, und geben eine Anpassung sofort weiter, sobald sie kommt.
Zweite Preiswelle eingetreten
Die im Frühjahr erwartete zweite Preiswelle ist eingetreten, und einzelne Erhöhungsschreiben unterschätzen das Ausmaß. Aussagekräftiger ist der Blick auf ein Jahr. Die Spotpreise für Standard-FR4-Laminat in China haben sich binnen zwölf Monaten etwa verdreifacht.
Selbst die koreanische Importstatistik, ein träger Durchschnitt über alle Materialklassen, weist für kupferkaschiertes Basismaterial (CCL) im März 20.728 USD je Tonne aus, nach rund 11.900 USD ein Jahr zuvor. Das ist ein Plus von rund 75 Prozent und der erste Wert über 20.000 USD seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 2000.
Allein seit April haben die Laminathersteller in vier Schritten um kumuliert rund 50 Prozent erhöht, zuletzt Anfang Juli erneut um bis zu 15 Prozent.
Was das für den Leiterplattenpreis bedeutet, lässt sich mit einer groben Beispielrechnung zur Orientierung einordnen. Bei Standard-Multilayern mit vier bis acht Lagen in Serienmengen aus chinesischer Fertigung stellt das Basismaterial rund die Hälfte der Herstellkosten, Personal und Prozesse den Rest. Verdreifacht sich das Material, wächst die Materialhälfte von 50 auf 150 Kostenpunkte, die Prozesshälfte bleibt bei 50. Aus 100 Punkten werden 200, die Gesamtkosten verdoppeln sich rechnerisch, noch ohne die neuen Zuschläge für Prepreg, dicke Aufbauten und schweres Kupfer.
Die Erhöhungen, die derzeit tatsächlich am Markt ankommen, liegen darunter, und wir selbst haben Erhöhungen in diesem Ausmaß bislang nicht weitergegeben. In deutscher und europäischer Fertigung fallen sie nochmals geringer aus, weil der Materialanteil an den Gesamtkosten dort niedriger ist und Personal- wie Anlagenkosten stabil geblieben sind. Die Preise unserer Prototypen-Onlinekalkulation Made in Germany sind über das gesamte Jahr 2026 sogar unverändert.
Standard-FR4 wird dabei nicht knapp, weil Material fehlt, sondern weil Kapazität abgezogen wird. Hochleistungslaminate für KI-Server erzielen ein Vielfaches des Preises von Standardware, und entsprechend belegen die Hersteller ihre Pressen und Öfen. Das ist deshalb kein kurzfristiger Ausschlag, sondern eine Verschiebung, die den Markt noch länger begleiten wird.
Ein struktureller Punkt kommt hinzu: Prepregs sind gekühlt nur rund sechs Monate lagerfähig. Genau dort, wo die Preise am stärksten steigen, ist Bevorratung also nur begrenzt möglich. Verlässliche Forecasts und verbindliche Rahmenaufträge sind deshalb derzeit der wirksamste Hebel, um Preis und Versorgung zu sichern.
Eine mögliche Entlastung zeichnet sich beim Gold ab. Der Goldpreis liegt deutlich unter seinem Rekord vom Jahresanfang. In den Preisen der Hersteller für Oberflächen wie chemisch Nickel-Gold (ENIG) ist das bislang allerdings nicht angekommen. Sobald sich das ändert, geben wir die Entlastung weiter.
Was am Markt passiert
Der Markt wird derzeit von zwei Entwicklungen gleichzeitig getrieben. Zum einen zieht der Ausbau von KI-Rechenzentren weltweit Rohstoffe ab, die auch in Standardleiterplatten stecken, vor allem Kupfer und Glasgewebe. Zum anderen sorgen die Nachwehen des Krieges im Iran weiterhin für Engpässe an den Rohstoffmärkten. Neben Öl sind dadurch auch Schwefelsäure und Harze knapp. Kupfer liegt zudem rund 30 Prozent über dem Vorjahr und markierte Anfang 2026 ein Allzeithoch.
Entscheidend ist dabei ein Mechanismus, der oft übersehen wird. Die Knappheit beginnt bei den Hochleistungsmaterialien für KI-Hardware, greift aber auf das Standardsegment über, weil beide aus derselben Fertigung kommen. Beim Glasgewebe stellen die Webereien ihre Kapazität auf die margenstarken Spezialgläser für Hochgeschwindigkeitslagen um, wodurch auch das Standard-E-Glas für FR4 knapp wird. Bei der Kupferfolie passiert dasselbe: Die Hersteller priorisieren die verlustarme HVLP-Folie (HVLP = Hyper Very Low Profile) für High-Speed-Anwendungen, sodass die Standardfolie ins Hintertreffen gerät. Hinzu kommen chinesische Exportquoten auf E-Glas und Preiserhöhungen über die gesamte Produktlinie. Der Bedarf entsteht also am oberen Ende, der Engpass trifft am Ende alle.
Ein Sonderfall ist das Harz. Anfang April geriet der Petrochemiekomplex in Jubail (Saudi-Arabien) nach einem Raketenangriff in Brand und stoppte die Produktion. Die Raketen wurden abgefangen, herabfallende Trümmer entzündeten jedoch den Komplex. Der Betreiber SABIC liefert rund 70 Prozent des weltweit verfügbaren hochreinen PPE-Harzes (PPE = Polyphenylenether).
Dieses Harz wird vor allem für echte High-Speed- und Low-Loss-Laminate benötigt, etwa in KI-Servern, 5G und Radar, kaum für Standard-FR4. Anders als bei Glas und Kupfer gibt es hier keinen Übertragungseffekt auf das Standardmaterial, weil im FR4 schlicht kein PPE-Harz steckt. Der Harzausfall trifft also gezielt die Hochfrequenztechnik, während FR4 vor allem über Kupfer, Glas und allgemein knappes Epoxidharz unter Druck steht.
Der Markt ist damit nicht nur teurer geworden, sondern in Teilen auch unflexibler. Einige Basismaterialhersteller nehmen Bestellungen für Standardware mit Enddicken über 1,2 mm und Kupferstärken über 35 µm kaum noch an. Solche Aufbauten sind meist keine Innenlagen und binden überproportional Material, weshalb die Hersteller ihre Kapazität auf das margenstärkere Innenlagengeschäft lenken. Materialien wie 1080-Prepreg und bestimmte Kupferfolien sind zudem zeitweise nur noch eingeschränkt verfügbar.
Was das für die Preise bedeutet
Marktberichte (Goldman Sachs, über Reuters) nennen für April Aufschläge von bis zu 40 Prozent und bei Kupferfolie rund 30 Prozent seit Jahresbeginn. Diese Größenordnung geben wir nicht eins zu eins weiter. An unsere Kunden haben wir im April im Schnitt deutlich weniger weitergegeben, weil wir durch ein um über 50 Prozent gewachsenes Bestellvolumen bessere Einkaufskonditionen erzielen konnten. Die für den Sommer erwartete neue Welle an Preiserhöhungen ist im Juli eingetreten (siehe Update vom 27. Juli 2026).
Leiterplattenhersteller nehmen zudem keine langfristigen Preis- oder Mengenfixierungen mehr an. Sicherungsverträge, mit denen sich Preise einfrieren ließen, sind am Markt nicht mehr durchsetzbar. Es geht nur noch über fixe Bestellungen. Wir können die Erhöhungen daher nicht verhindern, sondern nur abfedern.
Positiv zu erwähnen ist jedoch, dass insbesondere unsere deutschen Fertigungspartner aus der Pandemie gelernt haben und bewusst hohe Materialbestände vorhalten, mit weiteren Mengen bereits im Zulauf.
Was wir jetzt gemeinsam tun können
Vorausdisponieren können wir nicht, dafür braucht es echte Bestellungen. Gemeinsam gibt es aber mehrere wirksame Hebel.
Wann sich die Lage entspannt
Hier hilft die oben beschriebene Zweiteilung bei der Betrachtung. Die kriegsbedingten Effekte lösen sich bereits: Im Iran zeichnet sich Entspannung ab, die Ölpreise fallen, und der Harz-Engpass bei SABIC dürfte ab dem ersten Quartal 2027 nachlassen.
Der strukturelle Druck aus dem Ausbau der KI-Rechenzentren bleibt dagegen, solange er Kupfer und Glasgewebe bindet. Kurzfristige Engpässe entspannen sich also, der Grundtrend nicht. Beim Basismaterial erwarten Marktbeobachter erhöhte Preise mindestens bis in das erste Halbjahr 2027.
Diese Einordnung beruht auf unserem eigenen Lieferantennetz und laufender Marktbeobachtung sowie externen Pressequellen.
Kontaktieren Sie uns gerne. Wir besprechen Ihre konkrete Situation und finden den passenden Weg.
Quellen
- Kupferpreis und Allzeithoch: London Metal Exchange (LME), 2026.
- Preisanstiege Leiterplatten und Kupferfolie: Goldman Sachs, berichtet von Reuters, April 2026.
- Ausfall hochreines PPE-Harz, Petrochemiekomplex Jubail: Reuters und Tom’s Hardware, April 2026.
- Glasgewebe, E-Glas und Low-Dk-Glas, Kapazitätslage: TrendForce, 2025 bis 2026.
- Exportbeschränkung Schwefelsäure (China, ab Mai 2026): chinesische Zollmitteilung und Branchenberichte, 2026.
- Preiserhöhungen und Spotpreisniveau Basismaterial (Kingboard, Standard-FR4): Branchen- und Finanzpresse, Juli 2026.
- CCL-Importpreise je Tonne: koreanische Zollstatistik, März 2026.
- Prognose Preiszyklus Basismaterial bis H1 2027: China Merchants Securities, Juli 2026.
- Goldpreis: Spotmarkt, Juli 2026.
- Verfügbarkeit Basismaterial und Lieferfähigkeit: eigenes Lieferantennetz in China, Indien und Europa.
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